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Das Boulevard-Blatt “Focus”

8. Mai 2009

Warum nur ist der Focus so schlecht?

Meine Eltern haben den Focus abonniert. Das am 4.5. veröffentlichte Heft fiel mir (leider) in die Hände. Da das Titelbild Neuigkeiten zum Thema “Inflation” versprach, blätterte ich aus Interesse, wie dramatisch die Lage wohl dargestellt werden würde, durch das Heft.

Was mir dann aber schon im “Tagebuch” von Helmut Markwort an Text entgegensprang , lässt m.E. deutliche Rückschlüsse auf die journalistische Qualität des Heftes zu.

Hier ist der Text:

http://www.focus.de/magazin/tagebuch/tagebuch-berlin-trennt-wieder-eine-mauer_aid_395401.html

Er kommentiert dabei das Ergebnis der “Pro Reli” - Debatte. Die Berliner sollten entscheiden dürfen, ob Religion wie bisher als zusätzliches unterrichtetes Fach anwählbar bleibt oder ob man sich in Zukunft zwischen Religion und Ethik unterscheiden kann/muss.

Infos dazu z.B. hier:

http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/religionsunterricht-ist-glaubenssache/

Was mir bitter aufstößt, ist vor allem, dass Markwort schreibt: “Die Westberliner wollten mit überwältigender Mehrheit Religion als Wahlfach während der Unterrichtszeit. Im Osten waren mehr als zwei Drittel dagegen. Ein Beispiel: In Spandau stimmten 69,2 Prozent für „Pro Reli“, in Marzahn-Hellersdorf nur 22,7. Offenbar können sich viel zu wenige in der ehemaligen DDR daran erinnern, einen wie großen Teil ihrer Freiheit sie Männern und Frauen der evangelischen Kirche verdanken, die sich aktiv und unter persönlicher Gefahr für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie eingesetzt haben.”

Man soll also in einer Sachfrage anders stimmen, weil die evangelische Kirche sich mal für Freiheit eingesetzt hat (war sie eigentlich die einzige Institution, die das getan hat)?

Muss ich jetzt immer für die CDU stimmen, weil Kohl uns die Einheit gebracht hat und ich diese befürworte? Darf ein Kriegsgegner in den USA nie mehr für die Republikaner stimmen, weil G. W. Bush in den Irak einmarschieren wollte?

Markwort schreibt: “Eine Analyse des Wählerverhaltens zeigt, dass die Hauptstadt Berlin immer noch gespalten ist. Die Karte von Großberlin – gekennzeichnet nach dem Wahlverhalten – sieht aus, als trennte noch immer eine Grenzlinie die Stadt. Es ist eine Mauer in den Köpfen, die unterschiedlichen Wertvorstellungen anhängen.”

Es mag sein, dass die Mauer noch nicht aus den Köpfen verschwunden ist. Sicher ist aber, dass Menschen wie Markwort nichts dazu beitragen, sie einzureißen. Er erreicht eher das Gegenteil.

Die Volksabstimmung in Berlin über den Religionsunterricht hätte für eine politische Zeitschrift z.B. die Chance geboten, eine Abhandlung zum Thema “Demokratieverdrossenheit” zu schreiben. Immerhin scheiterte die Initiative “Pro Reli” auch daran, dass nur 29,1% der Wahlberechtigten mitentscheiden wollten. Von einer politischen Zeitschrift hätte ich zumindest eine kompetente Analyse der Berliner Geschehnisse erwartet.

Das tut der Focus alles nicht. Was meine Meinung über ihn bestätigt: Er ist ein Boulevardblatt unter dem Deckmäntelchen eines politischen Magazins.



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